Belletristik

Das weite Herz des Landes – Richard Wagamese

Als der sechzehnjährige Franklin Starlight herbeigerufen wird, um seinen Vater Eldon, den er kaum kennt, zu besuchen, trifft er auf einen vom Alkohol gezeichneten, dem Tode geweihten Mann. Die beiden machen sich auf den Weg durch das raue Herzland British Columbias und auf die Suche nach einer letzten Ruhestätte, wo Eldon nach Art der indianischen Krieger beerdigt werden will. Auf der Reise erzählt der Vater dem Sohn seine Lebensgeschichte, die Momente der Verzweiflung genauso wie die Tage der Hoffnung und des Glücks – und so entdeckt Franklin eine Welt, die er nicht kannte, eine Geschichte, die ihm fremd war, und ein Erbe, das er hüten kann.
Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er veröffentlichte 15 Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde.
Ergreifend, klug und wunderschön!

Klara vergessen – Isabelle Autissier

Klara vergessen

Murmansk, nördlich des Polarkreises. Zum ersten Mal kehrt Juri, der längst als Ornithologe in Nordamerika lebt, in seine Heimat zurück. Sein Vater Rubin liegt im Sterben, lediglich das Rätsel um Juris Grossmutter Klara – eine Wissenschaftlerin zur Zeit Stalins, die vor den Augen des damals vierjährigen Rubin verhaftet wurde – hält ihn am Leben.
Klaras Verschwinden und eine Jugend voller Entbehrungen haben aus Rubin einen unerbittlichen Fischer und hartherzigen Vater gemacht, der seinen ungeliebten Sohn nun in einem letzten Aufeinandertreffen um Hilfe bittet: Er soll herausfinden, was mit Klara passiert ist. Und schliesslich stösst Juri auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle drei Schicksale – sein eigenes, Klaras und Rubins – miteinander verknüpft sind …
Ein grosses menschliches Abenteuer und eine familiäre Spurensuche, voll von spektakulären Beschreibungen einer wilden Natur, packend erzählt von Bestsellerautorin Isabelle Autissier.

Milchmann – Anna Burns

Die nordirische Schriftstellerin ist für ihren Roman “Milchmann” im Jahr 2018 mit dem Booker Prize ausgezeichnet worden – und mit vielen anderne Preisen!

In “Milchmann” erzählt Anna Burns von einer jungen Frau im Nordirlandkonflikt – inklusive Metoo- und Brexit-Parallelen. Aber es ist nicht allein ihre individuelle Geschichte – der Roman ist überzeitlich. Wer erleben will, wie es sich anfühlt, in einer totalitären Umgebung aufzuwachsen – wo jedes Wort, jede Handlung, jeder Kontakt analysiert, ausgewertet und tödliche Konzequenzen nachsichziehen kann, der lese dieses Buch. In einer überwältigenden und witzigen Sprache erzählt die 18-jährige Ich-Erzählerin, wie sie von einem “Verweigerer”, also ein Terrorist, ohne physische Gewalt, aber stetig und sicher in eine Beziehung gedrängt wird, die sie nicht will, was ihr nicht einmal die eigene Mutter glaubt.
Auf die Frage, ob dies ein politisches Buch sei, antwortet Burns, wenn mit “politisch”gemeint sei, dass es im literarischen Schreiben um Organisationsstrukturen und Macht gehe und “wie diese Macht erlangt und ausgeübt wird und welche Auswirkungen sie hat auf Menschen und die Beziehungen der Menschen untereinander, dann ja, dann nehme ich an, ist es politisch.”